Kleinkindpädagogik

In der pädagogischen Arbeit mit Kleinkindern bedarf es neben der dialogischen Haltung auch eines fundierten Wissens der pädagogischen Fachkräfte über die Entwicklung der Kinder in ihren ersten drei Lebensjahren sowie einer achtsamen Wahrnehmung, um entscheiden zu können, was ein Kind schon kann und wo es auf die Unterstützung des Erwachsenen angewiesen ist.

Diese Kleinkindpädagogik beruht im Wesentlichen auf Autonomieentwicklung und Beziehungsqualität. Die Aufgaben der erwachsenen Bezugsperson bestehen hierbei im Raum geben, Vertrauen schaffen, Bereitschaft zeigen, beobachten und anleiten. Ein Kleinkind, das nach diesen Kriterien aufwachsen kann, hat gute Voraussetzungen für ein positives Körper- und Gesundheitsbewusstsein, für Beziehungs- und Gruppenfähigkeit, sowie Autonomie und Selbstverantwortung.

Dieser pädagogische Ansatz entspricht im Wesentlichen den Erkenntnissen der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, die bereits in den 1930er Jahren erkannt hat, dass Kommunikation mit Säuglingen von der Geburt an eine wichtige Voraussetzung zur Persönlichkeitsentwicklung bildet.

Ein Kleinkind innerhalb einer Gruppe Gleichaltriger zu betreuen, ist allerdings keine leichte Aufgabe. In der pädagogischen Arbeit mit Kindern im Alter von 1-3 Jahren muss in Kitas und Krippen neben den Bedürfnissen der gesamten Gruppe auch immer wieder der Bedarf des einzelnen Kleinkindes berücksichtigt werden, damit sich das Kind als Individuum wahrgenommen fühlt und innerhalb der Gruppe Sicherheit und Orientierung erfährt.

Damit das Kind erfahren kann, dass seine individuellen Bedürfnisse auch inmitten einer Gruppe anderer Kleinkinder berücksichtig werden, ist es in der pädagogischen Betreuung besonders wichtig, das Kind als eigene Persönlichkeit wahrzunehmen, ihm auf Augenhöhe zu begegnen und konsequent mit ihm zu interagieren.

Termine

Fortbildungen

Eine Stress-reduzierende Pädagogik – Kleinkinder achtsam begleiten

In meinen Fortbildungen und Beratungen für pädagogische Fachkräfte und Einrichtungsleitungen geht es darum, die Entwicklung und Bedürfnisse von Kindern in Kitas und Krippen genauer kennenzulernen. Vor dem Hintergrund neuester Erkenntnisse der Säuglings- und Kleinkindforschung und in Anlehnung an elementare Aspekte der Pikler-Pädagogik gehen wir gemeinsam der Frage nach, wie der Alltag in Krippen und Kindertagesstätten gestaltet werden sollte, um genau auf die speziellen Bedürfnisse und Interessen jüngster Kinder im Alter von 1-3 Jahren eingehen zu können.

Sobald sich eine Kindertageseinrichtung zur Weiterentwicklung entscheidet, findet die Kleinkindfortbildung in mehreren aufeinander aufbauenden Sitzungen statt. Um dabei so authentisch wie möglich zu arbeiten, gestalte ich die Seminare anhand individueller Fragen und Anliegen aus Ihrem pädagogischen Alltag. Gemeinsame Gespräche und der Einsatz von Filmbeispielen und Bildern bieten die Möglichkeit, Fachwissen zur Kleinkindpädagogik zu vertiefen, die eigene Praxis zu reflektieren, den Blick für eine behutsame und respektvolle Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern zu schärfen und so eine passgenaue Qualifizierungsmaßname für Ihre Kindertageseinrichtungen zu entwickeln. 


Mögliche Themen meiner Fortbildungen und Seminare:

Beziehungsvolle Pflege

Kinder sammeln während der Pflegehandlung elementare Erfahrungen über ihr eigenes Körperempfinden und entwickeln ihr Selbstwertgefühl. Die Pflege bildet deshalb eine ausgezeichnete Gelegenheit, um dem jungen Kind durch liebevolle Kommunikation und Achtung auf seine Bedürfnisse Geborgenheit und Vertrauen zu vermitteln. Durch interessierte Anteilnahme des Erwachsenen und das Zutrauen in die Fähigkeiten des Kindes wird eine wichtige Basis für seine spätere soziale Kompetenz gebildet. 

Für die Pflege in einer Gruppe junger Kinder bedeutet das die Relevanz von Phasen ungeteilter Aufmerksamkeit der pädagogischen Fachkraft für das Kind, damit emotionale Sicherheit entstehen und die Grundlage von Eigeninitiative und selbstständiger Aktivität geschaffen werden kann. Dieses Zeichen der Wertschätzung für das Kind steigert in der Pflege dann die Bereitschaft dazu, den Erwachsenen anschließend mit der gesamten Gruppe auch wieder zu teilen.

Freies, selbstbestimmtes Spiel

Spielen ist eine ureigene Ausdrucksform von Kindern. Im Spiel setzen sie sich mit ihrer Umwelt auseinander: Sie forschen, experimentieren und eignen sich dabei Dinge an, die für Erwachsene oft ganz selbstverständlich erscheinen. Spielen fördert Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit und hilft dem Kind zu lernen, andere zu respektieren, mit Frustrationen umzugehen und Problemlösungen zu entwickeln.

Erwachsene neigen oftmals dazu, in das Spiel des Kindes einzugreifen. Für die Entwicklung ist es jedoch wichtig, dass es sein Spiel selbst bestimmt, mit Interesse bei seiner Tätigkeit bleibt und eigene Erfahrungen machen kann. Dazu bedarf es neben Zeit, Ruhe und geeigneten Materialien vor allem einer geschützten, bewusst gestalteten und altersgemäß ausgestatteten Umgebung. Für die pädagogische Fachkraft bedeutet das, innerlich präsent und dem Kind gegenüber aufmerksam zu sein, ihm eine sichere Orientierung zu geben und für sein Wohlbefinden zu sorgen.

Selbständige Bewegungsentwicklung

Jedes gesunde Kleinkind besitzt die Fähigkeit zur selbstständigen motorischen Entwicklung. Deshalb müssen Kinder von Erwachsenen nicht dazu ermutigt werden, sich zu bewegen – sie bewegen sich von selbst, aus einem inneren Drang heraus. Die Aufgabe der Bezugsperson ist es vielmehr, ihnen die Möglichkeit dazu zu geben: den notwendigen (Frei)Raum, die Gelegenheit und eine wohlwollende, interessierte Anteilnahme an ihren Erkundungen. 

Um ein Kind in den ersten drei Lebensjahren optimal in seiner Bewegungsentwicklung begleiten und unterstützen zu können, sollte es nur in Positionen gebracht werden, welche es aus eigener Kraft und eigenem Antrieb bereits erreicht hat. So kann sich das Kind die wesentlichen Stufen der Bewegungsentwicklung selbst erarbeiten und eine Bewegung so lange ausprobieren, bis es sich von selbst etwas Neues zutraut. Dadurch entwickelt das Kind Selbstbewusstsein, Selbständigkeit und Geschicklichkeit.

Mahlzeiten in der Krippe

Einen weiteren wichtigen Faktor in der Sozialisation jüngster Kinder bildet das selbständige Essen. Bis ein Kind so weit ist, gibt es jedoch erst noch vieles zu lernen: das Trinken aus dem Glas, das Essen mit dem Löffel, das Kauen, Regeln die beim Essen gelten uvm.

Kinder sammeln gerade in der Essenssituation elementare Erfahrungen für ihr eigenes Körperempfinden und die Entwicklung ihres Selbstwertgefühls. Dies verlangt von den pädagogischen Fachkräften ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, damit Zeichen und Bedürfnisse der jüngeren Kinder richtig erkannt und verstanden werden.

Soziales lernen in der Gruppe

Kinder im Krippenalter stehen mit der Entwicklung der persönlichen Identität noch ganz am Anfang. Durch die Betreuung des jungen Kindes in der Gruppe überlagern sich die Entwicklung des Ichs und das soziale Lernen in der Gruppe. 

In der Regel haben Kinder großes Interesse an anderen Kindern. Aber über eine längere Zeit mit anderen gemeinsam in einer Gruppe zusammen zu sein, ist für junge Kinder keine leichte Aufgabe. Konflikte gehören dabei in einem gewissen Maße dazu und sind, wenn sie gut gelöst werden und nicht die gesamte Atmosphäre innerhalb der Gruppe beherrschen, ein guter Lernprozess für die Kinder.